Film – „Lichtblicke am Horizont“

Horizontas-Film geht unter die Haut

Pressebericht aus „Der Patriot“ Samstag, 02. Februar 2019 von Björn Theis

Über die eigene Trauer und den Tod eines geliebten Menschen zu sprechen, erfordert großen Mut. Elf Jugendliche, die vom Erwitter Verein Horizontas betreut werden, haben es getan – vor Publikum, auf der großen Leinwand. In einem Film erzählen sie ihre Geschichte, schildern ihre Gefühle und den Umgang mit dem Verlust. Der bewegende Streifen wurde am Donnerstagabend im Cineplex in Lippstadt uraufgeführt.

Lippstadt / Erwitte – Zu Beginn gibt es Popcorn und Getränke – wie so üblich bei einem Kinobesuch. Und doch ist bei diesem Film alles anders. Hier geht es nicht wie sonst um Fiktion, sondern um echte Geschichten von jungen Menschen, die eine nahestehende Person verloren haben.
Fast 200 geladene Gäste, darunter Familie und Freunde der Jugendlichen, haben ihre Plätze im Kinosaal eingenommen. Bevor der Film startet, gibt es den Freundekreis, wie bei allen Horizontas-Treffen. Das „Ritual“, wie es Gruppenleiter Thomas Thiesbrummel in seinen einleitenden Worten erklärt, beinhaltet, dass sich die Jugendlichen im Kreis um brennende Kerzen zusammensetzen und jeder den verstorbenen Menschen, meist Mutter und Vater, benennt. Danach erst startet der Film auf der großen Leinwand. Titel: „Lichtblicke am Horizont“.

Die am Projekt beteiligten Jugendlichen schildern eindrucksvoll, wie sie die Trauer empfinden und damit umgehen. Ein kompletter Tag wurde mit einem Film-Team aus Hamburg gedreht. Hauptbestandteil des knapp 18-minütigen Streifens sind Interviews. „Das war nicht real“, erzählt darin etwa Katharina von der Ohnmacht, als sie erfuhr, dass ein Elternteil verstorben ist.

„Ich gönne ihm, dass er frei ist.“ – Eine Jugendliche im Film über den Suizid ihres Vaters.

„Wenn plötzlich ein Teil von einem fehlt – das ist Scheiße“, bringt es Amina auf den Punkt. Jessica hat ihre Mutter verloren: „Mama war immer da“, sagt sie und erzählt dann, wie sie von jetzt auf gleich deren Rolle übernehmen musste. Eine Jugendliche, deren Vater sich das Leben genommen hat, ist ihm dafür „nicht sauer“, wie sie sagt: „Ich gönne ihm, dass er jetzt frei ist.“ Wie die Protagonisten mit ihrer Trauer leben, zeigen Einspieler aus ihrem Alltag. Kevin etwa schraubt in der Werkstatt an seinem Trecker und fährt damit herum, wenn er Ablenkung braucht. Wenn es beim Tennismatch mal nicht läuft, redet Niklas mit seinem verstorbenen Vater: „Das hilft“, sagt er. Ein anderes Mädchen berichtet, dass auch einfach mal heulen gut tut, wenn die Gedanken traurig machen. Und warum ist Horizontas ihr Anker bei der Trauer? „Weil da Leute sind, die dasselbe erlebt haben. Sie verstehen einen besser. Da kann man die Gefühle einfach rauslassen“, erzählt ein Jugendlicher. Als der Film läuft, wird es an einigen Stellen immer wieder emotional im Publikum. Nach dem Abspann herrscht für kurze Zeit erst einmal Stille im Kinosaal. Jeder für sich muss die berührenden Geschichten erst einmal sacken lassen.

„Das trauen sich nicht viele.“ – Thomas Thiesbrummel zum Mut der Jugendlichen.

Thomas Thiesbrummel durchbricht diesen Moment, indem er den Jugendlichen seinen Respekt zollt, mit ihrer Lebensgeschichte auf die Leinwand gegangen zu sein: „Das trauen sich nicht viele“. Für die Protagonisten gibt es großen Applaus. Menschen, die ähnliche Schicksale erlebt haben, werde dieser Film sicher Mut machen, findet der Gruppenleiter: „Gut, dass es euch gibt“. Danach geben die Jugendlichen aus dem Film erst einmal fleißig Autogramme, bevor es mit Fingerfood vor dem Kinosaal weitergeht. Nahezu alle Gäste nehmen später wieder ihre Plätze ein, als der Film ein zweites Mal gezeigt wird. Warum, erklärt Thiesbrummel: „So sieht man wieder andere Dinge und die Emotionen vom ersten Mal haben sich gelegt.“ Nach der Premiere feiern die Jugendlichen mit den Horizontas-Verantwortlichen weiter. „Alle waren total happy, wie es gelaufen ist“, berichtete Hildegard Fisch, zweite Gruppenleiterin, am Tag danach. Das Film-Projekt habe die Gruppe noch enger zusammengeschweißt.

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Unser größter Dank und Respekt gilt den Protagonisten des Films und allen, die diesen Film ermöglicht haben. Dank auch Matthias Wolk und Niklas Hemker von realTV group GmbH & Co.KG.

Bilder vom Drehtag

Bilder von der Kinopremiere